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      Herzlich Willkommen im Moodle-Kurs zu Nachhaltigkeit in Berufen der Metall- und Elektroindustrie! In diesem Kurs lernst du, wie sich Nachhaltigkeit als Perspektive in die Ausbildung integrieren lässt und wie du als Ausbilder:in mit Auszubildenden die Arbeitswelt nachhaltiger gestalten kannst.

      Dafür setzt du dich zunächst mit Nachhaltigkeit in der Metall- und  Elektroindustrie auseinander und bekommst anschließend konkrete Anleitungen und Material, um eine praxisnahe Integration von Nachhaltigkeit in der Ausbildung zu ermöglichen.

      Hierzu erhältst du auch didaktisches Begleitmaterial, dass dir Hinweise auf das dahinterliegende Bildungs- und Nachhaltigkeitsverständnis gibt und wie dieses mit Auszubildenden umgesetzt werden kann.

      Dabei sind zwei Schwerpunkte zentral: Erstens sollen die Inhalte konkret an der beruflichen Praxis erschlossen und am Ende umgesetzt werden; und zweitens sollen die Auszubildenden lernen, das große Thema Nachhaltigkeit auch politisch zu reflektieren, um sich selbst aktiv einzubringen.

      Nachhaltigkeit ist kein Prozess, der einfach von oben vorgegeben und dann umgesetzt wird, sondern setzt Beschäftigte voraus, die mitdenken, sich einmischen und dabei auch für ihre Interessen einstehen. 

      In diesem Kurs erfährst du...

      1. ...welche Bedeutung Nachhaltigkeit für die berufliche Bildung in der Metall- und Elektroindustrie hat

      2. ...warum Nachhaltigkeit im beruflichen Handeln politisch ist

      3. ...welchen Zusammenhang es mit einzelnen für die Metall- und Elektroindustrie relevanten Themenschwerpunkten mit Nachhaltigkeit gibt

      4. ...wie politische Reflexion mit Auszubildenden methodisch begleitet werden kann

      5. ...wie mit Auszubildenden die Gestaltung einer nachhaltigen Arbeitswelt methodisch angeleitet werden kann

      Hier kommst du direkt zu den einzelnen Lerneinheiten:

                     

       

      Bearbeitungszeit: ca. 5 Stunden

       

      Wir wünschen dir viel Spaß und Erfolg!

      Bei Fragen zum Projekt wende dich an berufsbildung@igmetall.de

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  • Einführung: Nachhaltigkeit in Berufen der Metall- und Elektroindustrie

    • Seit 2016 arbeiten alle Länder der Welt daran, die Agenda 2030 mit ihren 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) zu erreichen. Sie sollen zu einer Welt ohne Hunger, Armut und Krieg führen, die nicht durch Klimawandel oder Umweltzerstörung als Grundlage fürs Leben gefährdet ist und auf der auch zukünftige Generationen gerecht und in Wohlstand leben können. In diesem Modul erfährst du, was genau hinter den 17 Zielen steckt, wie sie miteinander zusammenhängen und was sie mit der Metall- und Elektroindustrie zu tun haben. Außerdem erhältst du am Ende didaktisches Material und weitere Quellen, um die SDGs mit Auszubildenden oder Ausbilder*innen in die Ausbildung in der Metall- und Elektroindustrie zu integrieren.

        

       

    • Dieser Blogeintrag vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans Böckler Stftung eröffnet einen politischen Blick auf Fragen der Transformation, welche Fragen sich gesamtgesellschaftlich daran anschließen und welche Rolle dabei die Mitbestimmung von Beschäftigten spielt.

  • Einführung 2: Warum politische BBNE?

    • Durch die modernisierten Standardberufsbildpositionen sind Nachhaltigkeit und Umweltschutz, aber auch Mitbestimmung durch Beschäftigte, fester Bestandteil jeder Berufsausbildung geworden. In der Praxis wirft ihre Umsetzung jedoch häufig Fragen auf. Wird Nachhaltigkeit im umfassenden Sinne der UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) verstanden, geht es nicht nur um einzelne Maßnahmen, sondern um eine grundlegende Veränderung beruflicher Praxis – und um eine veränderte Rolle von Beschäftigten im Betrieb.

      Die SDGs lenken den Blick auf die globalen Auswirkungen beruflichen Handelns. Die Rohstoffe die ein Betrieb nutzt, die Energie die dabei verbraucht wird und die Treibhausgase die dabei entstehen, haben Folgen weit über den eigenen Standort hinaus. Gleichzeitig sind es vor allem die Fachkräfte im Betrieb, die über das notwendige Wissen und die Erfahrung verfügen, um an den entscheidenden Stellen Veränderungen anzustoßen. Sie erkennen, wo Prozesse nachhaltiger gestaltet werden können – und sie sind es auch, die solche Veränderungen mittragen oder einfordern müssen.

      Die Umsetzung nachhaltiger Entwicklung im Betrieb ist deshalb nicht nur eine technische oder organisatorische Aufgabe, sondern auch ein demokratischer Prozess. Nachhaltigkeit bedeutet, Arbeits- und Produktionsweisen neu zu gestalten. Soll dieser Wandel sozial gerecht und demokratisch verlaufen, müssen Beschäftigte dabei als handelnde Akteur:innen und als Bürger:innen ernst genommen werden.

      Diese Perspektive muss bereits in der Ausbildung aufgegriffen werden. Für Ausbilder:innen bedeutet das eine doppelte Herausforderung: Einerseits benötigen sie fachliches Wissen darüber, wo und wie nachhaltiger gehandelt werden kann. Andererseits müssen sie Auszubildende dazu befähigen, sich reflektierend in diese Prozesse einzubringen, betriebliche Abläufe kritisch zu hinterfragen, kontroverse Themen zu diskutieren und eine eigene Position zu entwickeln. Politische Bildung heißt hier nicht, fertige Antworten zu vermitteln, sondern Räume zu öffnen, in denen Auszubildende lernen, sich als mündige Beteiligte – auch im Betrieb – zu verstehen.

      Nur so kann eine nachhaltige Transformation gelingen, die sozial gerecht ist und nicht auf Kosten von Beschäftigten verläuft. Politische Bildung sollte daher ein selbstverständlicher Bestandteil der beruflichen Ausbildung sein – auch und gerade im betrieblichen Alltag.

      In diesem Lernangebot findest du deshalb immer wieder Hinweise, wie politische Bildung im Kontext von BBNE didaktisch umgesetzt werden kann. Die Inhalte und Aufgaben sind so gestaltet, dass sie unterschiedliche Perspektiven sichtbar machen und zu kontroversen Diskussionen einladen. Denn Nachhaltigkeitsmaßnahmen sind häufig mit Widersprüchen und Zielkonflikten verbunden: Eine Maßnahme kann ökologisch sinnvoll sein, zugleich aber ökonomische Kosten verursachen oder soziale Fragen aufwerfen. Auszubildende müssen lernen, solche Spannungen zu erkennen, Argumente abzuwägen und sich an Aushandlungsprozessen zu beteiligen.

      Dazu greift das Lernangebot gezielt Methoden politischer Bildung auf. Sie unterstützen Ausbilder:innen dabei, Auszubildende auf eine Arbeitswelt vorzubereiten, in der nachhaltige Entwicklung immer auch eine politische Gestaltungsaufgabe ist.

       

       

    • Einstieg: Transformationskonflikte im Betrieb: Was können Gewerkschaften tun?

      WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch und Felix Groell (IG Metall) diskutieren über Transformationskonflikte in Betrieben, die durch den sozial-ökologischen Wandel entstehen, und wie Gewerkschaften und Betriebsräte im Sinne der Beschäftigten darauf reagieren können.

        

    • Vertiefung: BIB #32 Zwischen Krise und Aufbruch – Gewerkschaftsarbeit in Zeiten des Wandels

      In dieser Folge diskutiert Timo Kwiatkowski mit Klaus Dörre und Ralf Reinstädtler über die Herausforderungen der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit in Zeiten multipler Krisen. Vor welchen Herausforderungen stehen wir als IG Metall und was bedeutet Transformation für die Industrie und die Beschäftigten? Wie verändert sich die Rolle der IG Metall im Spannungsfeld zwischen politischem Druck, sozialer Gerechtigkeit und ökologischer Verantwortung? Und was leiten wir daraus für unsere Bildungsarbeit ab, wenn es darum geht, Konfliktfähigkeit, Solidarität und Zukunftsvisionen zu stärken? Ein tiefgehendes Gespräch über Gegenwart und Zukunft der Arbeit – direkt vom IG Metall Referentenkongress.

        

  • Erkundung

    • Im Folgenden kannst du dich mit einzelnen für die Metall- und Elektroindustrie relevanten Themenbereichen auseinandersetzen. Du bekommst Informationen darüber, warum dieses Themenfeld für die Beschäftigung mit Nachhaltigkeit in der Metall- und Elektroindustrie wichtig ist und welche Widersprüche es enthält. Wie du in der Auseinandersetzung mit den SDGs bereits gelernt hast, ist Nachhaltigkeit häufig nur mit Kompromissen zu erreichen, weil sich Ziele oder Interessen gegenüberstehen, die nur schwer miteinander zu vereinbaren sind. Nachhaltigkeit ist deswegen immer auch ein politisches Thema, weil sich alle Beteiligten aktiv und reflektiert einbringen müssen, um gemeinsam Lösungen zu finden, die für alle vertretbar und sozial gerecht sind. Insbesondere Beschäftigte müssen sich dafür auch organisieren und solidarisieren, um sich Gehör zu verschaffen.

      Ausgangspunkt dafür ist die Auseinandersetzung mit dem eigenen Betrieb. Dazu dienen die folgenden Erkundungsimpulse: Die Auszubildenden setzen sich mit einem für die Metall- und Elektroindustrie relevanten Thema auseinander und erkunden den eigenen Betrieb daraufhin, wo dieser in Bezug auf Nachhaltigkeit bei diesen Themen steht. Dafür werden bestimmte Kennzahlen, Informationen oder Daten ermittelt und auf der Grundlage des SDG-Moduls in den Kontext von Nachhaltigkeit gesetzt.

       

      Wie nachhaltig ist unsere Lieferkette? Für wie viel CO2 Emissionen ist unser Betrieb durch seinen Stromverbrauch verantwortlich? Was ist die Situation im Arbeits- und Gesundheitsschutz und gibt es gute Mitbestimmungsstrukturen? Indem Auszubildende diesen Fragen nachgehen, können sie an ihrer konkreten Berufspraxis über Nachhaltigkeit reflektieren und am Ende realistische Maßnahmen gestalten, die zu mehr Nachhaltigkeit führen. Die Arbeitsblätter enthalten Informationen über den Zusammenhang des Themas mit Nachhaltigkeit in der Metall- und Elektroindustrie sowie Aufgaben, mit denen Auszubildende die Erkundung durchführen können.

  • Energie

    • Ungeachtet welche Produkte ein Betrieb herstellt, die Produktion benötigt immer Energie. Zur Erzeugung von Energie werden in den meisten Ländern überwiegend fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas verwendet. Durch deren Verbrennung werden Treibhausgase freigesetzt, die größtenteils aus Kohlenstoffdioxid (CO2) bestehen und mitverantwortlich für den Klimawandel sind. Außerdem wird für die Gewinnung von Kohle, Öl und Gas viel Lebensraum für sehr lange Zeit zerstört. Während für die Schaffung von Infrastruktur für Erneuerbare Energien eine CO2-Belastung entsteht, erzeugen nachhaltige Energiequellen wie Wind, Wasser oder Sonne während ihrer Nutzung keine zusätzlichen Schadstoffe.

      Energiebedarf bzw. -verbrauch wird grundsätzlich in drei Sektoren unterteilt: Strom, Wärme und Verkehr. Da Strom bei der Energiewende bislang die bedeutendste Rolle einnimmt, konzentrieren wir uns zunächst auf diesen Sektor.

      Der deutsche Strommix besteht im Jahr 2023 zu 52,5 % aus erneuerbaren Energien. Der restliche Strom wird nach wie vor aus fossilen Energieträgern gewonnen. Erneuerbare Energien sind für die Bekämpfung des Klimawandels eine wichtige Maßnahme, zu der es kaum eine Alternative gibt. Gleichzeitig geht auch ihre Verwendung mit Umweltbelastungen einher und ihre Erzeugung hat ebenfalls, jedoch deutlich weniger, umweltschädliche Folgen als fossile Brennstoffe. Der Ausbau von Windkraftanlagen hat beispielsweise auch negative Auswirkungen auf natürliche Ökosysteme. Darüber hinaus benötigt die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bestimmte Technologien, für die seltene Erden verwendet werden. Deren Gewinnung bringt einerseits auch ökologische Schäden mit sich und findet andererseits häufig unter sehr schlechten Arbeitsbedingungen statt.

       

      Neben der Umstellung auf erneuerbare Energien und der Entwicklung von Energiespeichersystemen spielt vor allem die effiziente Nutzung von Energie eine zentrale Rolle in Bezug auf Nachhaltigkeit. Da die Metall- und Elektroindustrie eine sehr energieintensive Branche ist, kommt ihr beim Thema Energieeffizienz also eine Schlüsselrolle zu. Aktuell entfällt in etwa ein Viertel des Energieverbrauchs der gesamten deutschen Industrie auf die Metallindustrie. Somit haben Unternehmen dieser Branche viel Potenzial, durch Energieeinsparmaßnahmen dazu beizutragen, den mit Energieverbrauch verbundenen CO2-Ausstoß zu verringern. Gleichzeitig bedeutet weniger Energieverbrauch auch Kosteneinsparung – also eine Win-Win-Situation für Wirtschaft und Umwelt. Zur erfolgreichen Identifizierung und Umsetzung entsprechender Maßnahmen sind Unternehmen auf kritische und aufmerksame mitgestaltende Mitarbeiter:innen angewiesen.

  • Lieferketten

    • Bis ein Produkt bei den Endkund:innen ankommt, durchläuft es bzw. seine Einzelteile verschiedene Prozesse der Beschaffung, Produktion und Lieferung. Dieser (physische) Warenfluss vom Rohstoff über die Produktion und den Transport bis hin zum verkauften Endprodukt wird als Lieferkette bezeichnet. Entlang der Lieferkette gibt es für einen Betrieb mehrere Anknüpfungspunkte, um nachhaltig zu handeln.

      In der Beschaffung geht es um den Einkauf und die Zulieferung von Rohstoffen oder Einzelteilen, die zur Herstellung eines Produkts notwendig sind. Je nachdem, woher und unter welchen Bedingungen diese Dinge beschafft werden, kann dieser Prozess sowohl ökologische als auch soziale Belastungen mit sich bringen. In der Metall- und Elektroindustrie werden notwendige Rohstoffe wie Kupfer, Lithium oder Kobalt häufig im globalen Süden unter problematischen Arbeitsbedingungen gewonnen. Gleichzeitig werden dort die lokalen Ökosysteme belastet, da durch die Rohstoffgewinnung beispielsweise Lebensräume zerstört und enorme Wassermengen verbraucht werden. Auf einige dieser Umstände kann der beschaffende Betrieb jedoch Einfluss nehmen, zum Beispiel durch eine bewusste Lieferantenauswahl, bei der die kooperierenden Unternehmen nachweislich Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) einhalten. Dazu gehört auch ein Vertragsmanagement, das nachhaltige Einkaufsverträge mit den Lieferant:innen schließt oder auch einen Verhaltenskodex für Lieferant:innen entwickelt und durchsetzt.

      Neben den Umständen am Ursprungsort der Rohstoffe spielt auch ihr Transport eine Rolle im Kontext nachhaltigen Handelns. Die Rohstoffgewinnung und -verarbeitung finden fast immer an unterschiedlichen Orten in der Welt statt, da viele Rohstoffe nur in bestimmten Regionen vorkommen und die technischen Voraussetzungen und das Know-how für einige Fertigungsprozesse wiederum nur an anderen Orten gegeben sind. Hinzu kommen finanzielle und ökologische Standortfaktoren wie die Höhe der Arbeitslöhne und Umweltauflagen, die aus betriebswirtschaftlicher Sicht Anreize schaffen, an den für das Unternehmen günstigsten Orten zu produzieren. Die daraus resultierenden Transportwege sind – je nach Entfernung und Transportmittel – oftmals mit hohen Treibhausgasemissionen verbunden. Auch hier kann ein Betrieb beispielsweise durch eine optimierte Routenplanung, die Transportwege verkürzt, oder durch den Einsatz emissionsarmer Transportmittel zur Reduktion der Treibhausgasemissionen beitragen. Auch Technologien wie Blockchain zur Überwachung von Nachhaltigkeitsstandards können an dieser Stelle genutzt werden.

      Zur Lieferkette gehören auch die verschiedenen Fertigungsprozesse eines Produkts. Möglichkeiten nachhaltigen Handelns in diesen Produktionsschritten werden in anderen Modulen (Energie, Zirkuläres Wirtschaften, Automatisierung) näher betrachtet. In diesem Erkundungsimpuls setzt ihr euch daher in erster Linie mit der Lieferkette vom Rohstoff bis zu eurem Betrieb auseinander.

    • Im folgenden Entscheidungsszenario kannst du dich mit verschiedenen Entscheidungswegen zum Thema Lieferketten beschäftigen und die oft widersprüchlichen Folgen nachhaltigkeitsbezogener Entscheidungen erkunden.

  • Personal

    • Was hat das Thema Personal mit Nachhaltigkeit zu tun? Eine nachhaltige Unternehmensführung umfasst nicht nur ökologische und ökonomische Dimensionen, sondern nimmt auch soziale Gesichtspunkte in den Blick. Hier geht es vor allem um gute Arbeitsbedingungen, die die körperliche und psychische Gesundheit der Mitarbeiter:innen schützen und in denen alle gleich und fair behandelt werden.

      Entwicklungen wie die Globalisierung, Digitalisierung und Technologisierung wirken sich auf unternehmerische Prozesse und Strukturen aus – auch auf das Personalwesen. Die Möglichkeit ständiger Erreichbarkeit, Sorgen vor Arbeitsplatzverlust oder einer größeren Belastung durch die Arbeit aufgrund technologischen Fortschritts sind Beispiele, die sich auf den Stresspegel und damit die Gesundheit des Personals auswirken können.

      Auf der anderen Seite sind unternehmensinterne Kultur, Strukturen und Regelungen entscheidend, wenn es um Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und die Arbeitszufriedenheit des Personals geht. Häufig werden hierfür erst dann Maßnahmen ergriffen, wenn konkrete Probleme festgestellt werden, wie beispielsweise erhöhte Krankenstände, Fluktuationen oder Burnouts. Ziel sollte es aber sein, diesen Problemen präventiv vorzubeugen. Hierbei spielen Gesundheitsmanagement, Weiterbildungsangebote und familienfreundliche Arbeitsbedingungen eine zentrale Rolle. Flexible Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit, Homeoffice und Vertrauensarbeitszeit können ein ausgewogenes Verhältnis zwischen beruflichen Tätigkeiten und privaten Bedürfnissen fördern. Zudem eröffnen faire Vergütungsstrukturen und Vorsorgeleistungen wie eine betriebliche Altersvorsorge für die Möglichkeit, von der Arbeit gut zu leben. Zu einem nachhaltigen Personalmanagement gehört es auch, die Diversität der Beschäftigten in den Blick zu nehmen. Innerhalb eures Betriebs gibt es sicherlich Menschen mit verschiedenen ethnischen Herkünften, Geschlechtern, Fähigkeiten usw. Einen nachhaltigen Betrieb zeichnet es aus, diese Vielfalt zu respektieren und für alle Mitarbeitenden eine inklusive Arbeitsumgebung zu schaffen.

      In der Metall- und Elektroindustrie, insbesondere bei der Arbeit von sogenannten Blue-Collar Mitarbeitenden – also Menschen, die körperliche Arbeit verrichten – spielen vor allem die Arbeitssicherheit und die Gestaltung gesundheitsschonender Arbeitsplätze und Schichtpläne eine große Rolle. Hier ist es zentral, dass entsprechende Schutzmaßnahmen gelten und auch umgesetzt werden. Um die Berücksichtigung von Anliegen der Mitarbeiter:innen sicherzustellen, gibt es durch Betriebsräte und Gewerkschaften die Möglichkeit, mitzubestimmen. So tragen nicht einzelne Beschäftigte allein die Verantwortung, sondern sie können sich zusammenschließen und vertreten lassen. Arbeitnehmer:innen- und Arbeitgeber:innenseite begegnen sich so auf Augenhöhe und handeln gemeinsam die Arbeitsbedingungen aus. Arbeitnehmer:innenvertretungen sind also eine Anlaufstelle, an die Mitarbeiter:innen sich wenden können, wenn es Probleme gibt.

  • Zirkuläres Wirtschaften

    • Unter zirkulärem Wirtschaften oder auch Kreislaufwirtschaft versteht man das Ziel, Produktionsprozesse in geschlossenen Kreisläufen zu organisieren. Hauptziel ist dabei, einen möglichst sparsamen Umgang mit knappen Rohstoffen zu finden und diese effektiv zu nutzen. Dies soll unter anderem über die Produktgestaltung erreicht werden, um eine möglichst lange Lebensdauer zu gewährleisten. Demnach sollten Produkte möglichst leicht zu reparieren und wiederverwendbar sein. So kann der Abfall reduziert und der Neuabbau von Ressourcen verringert werden. Der Recyclingprozess selbst spielt eine zentrale Rolle, da so Materialien in den Produktionskreislauf zurückgeführt werden und geschlossene Lieferketten geschaffen werden können.

      Dies trägt zur ökologischen Nachhaltigkeit bei. Da der Import einiger Materialien mit langen Transportwegen, Luftverschmutzung und einem hohen Wasserverbrauch verbunden sind kann somit die Umweltbelastung reduziert werden. Zusätzlich bietet zirkuläres Wirtschaften für Unternehmen ökonomische Vorteile, da sie weniger auf neue Rohstoffe angewiesen sind und der Wert von Produkten und Materialien länger erhalten bleibt. Jedoch bedeutet die Umstellung in Richtung zirkulären Wirtschaftens Investitionen in neue Technologien, eine Anpassung der Infrastruktur und auch Weiterbildung von Beschäftigten. Außerdem kann zirkuläres Wirtschaften nicht von einzelnen Unternehmen umgesetzt werden, sondern benötigt Kooperationen und vor- bzw. nachgelagerte Partner, die in den Bereichen Lieferketten und Recycling entsprechende Maßnahmen selbst umsetzen.

      Ansätze in der Metall- und Elektroindustrie umfassen i.d.R. Maßnahmen für verlängerte Haltbarkeit und Reparierbarkeit von Produkten. In der Metallindustrie herrscht noch eine Diskrepanz zwischen Recycling-Rate und Recycling-Quote. Metalle wären theoretisch zu hundert Prozent wiederverwendbar (Recycling-Rate), praktisch ist dies noch nicht überall umgesetzt (Recycling-Quote). Aluminium wird bis zu über fünfzig Prozent recycelt, während der Rohstoff Lithium zu einer Quote von unter einem Prozent recycelt wird. Das hängt mit den Kosten für das technisch aufwändige Verfahren zusammen, die es lohnender machen, neues Lithium abzubauen. Durch neue Verfahren und regulatorische Entwicklungen verändert sich das langsam. Weitergehend sollen weniger Primärmetalle verwendet und mehr auf die Verwendung von Sekundärmetallen gesetzt werden. So können die Schäden durch die Gewinnung von Primärmetallen minimiert werden. Zusätzlich verbraucht Sekundärmetallherstellung weniger Energie und verursacht weniger Emissionen.

      Recyclingprozesse werden häufig in ärmere Länder mit schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigen Umweltstandards ausgelagert. Eine nachhaltige Transformation hin zu zirkulärem Wirtschaften sollte allerdings alle Bereiche der Produktion umfassen und bezieht sich demnach auch auf diese Länder.

      Die Transformation hin zur Kreislaufwirtschaft ist ein Prozess, der sich auf mehr als ein Unternehmen bezieht, was den Handlungsspielraum von Auszubildenden dort verkleinert. Dennoch sollten sie sich mit dem Thema und seinen politischen Implikationen ebenso auseinandersetzen wie mit den im Betrieb notwendigen Maßnahmen, um die Transformation möglich zu machen.

  • Automatisierung

    • Automatisierung ist ein zentraler Bestandteil industrieller Entwicklung. Sie überträgt Steuerungs-, Regelungs- und Überwachungsaufgaben auf Maschinen und digitale Systeme. Ziel ist nicht nur der Ersatz menschlicher Arbeit, sondern auch die Effizienzsteigerung durch intelligente Vernetzung, etwa mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI). Dadurch kann Automatisierung auch zur ökologischen Nachhaltigkeit beitragen.

      Automatisierte Prozesse ermöglichen Unternehmen effizientere, flexiblere und ressourcenschonendere Produktion. Sie steigern die Produktivität, reduzieren Materialverluste und erleichtern das Recycling. Energieverbrauch kann durch automatisierte Steuerung an den Bedarf angepasst und somit gesenkt werden, was auch CO₂-Emissionen reduziert. Zudem können KI und spezielle Software ineffiziente Abläufe erkennen, optimieren und Ausfälle frühzeitig vorhersagen. Digitale Zwillinge simulieren Produktionsprozesse virtuell und helfen, Rohstoffe und Energie optimal zu nutzen.

      Trotz dieser Vorteile ist der Betrieb digitaler Systeme ressourcenintensiv. Server benötigen viel Energie, und ihre Komponenten enthalten seltene Erden, deren Abbau oft umweltschädlich und sozial problematisch ist.

      Neben ökologischen und wirtschaftlichen Chancen birgt Automatisierung auch soziale Risiken. Sie kann Arbeitsplätze abbauen, Tätigkeiten verändern und Umschulungen erforderlich machen. Dies bringt finanzielle und psychische Belastungen für Beschäftigte mit sich. Bis 2030 werden rund 3 Millionen Jobwechsel erwartet. Menschen mit geringem Einkommen sind davon deutlich häufiger betroffen, was soziale Ungleichheiten verschärfen kann. Unsichere Arbeitsverhältnisse, Lohneinbußen und erschwerte gewerkschaftliche Organisation sind mögliche Folgen.

      Ein weiteres Problem ist die weltweite Nutzung sogenannter Clickworker zur KI-Entwicklung. Sie verrichten meist monotone, schlecht bezahlte Arbeit unter prekären Bedingungen. Gleichzeitig können durch Automatisierung gefährliche oder belastende Tätigkeiten ersetzt werden, was langfristig neue, sicherere und attraktivere Berufsfelder schaffen kann.

      Diese Entwicklung eröffnet neue Perspektiven, erfordert aber auch gezielte Investitionen in Aus- und Weiterbildung. Abschließend zeigt sich, dass Automatisierung trotz bestehender Herausforderungen ein enormes Potenzial für eine nachhaltigere, effizientere und sicherere Zukunft bietet.

      Wenn ökologische, soziale und technische Aspekte gemeinsam gedacht werden, kann sie nicht nur Produktionsprozesse optimieren, sondern auch neue attraktive Berufsfelder schaffen. 

  • Politische BBNE: Reflexion und Gestaltung

    • Die Erkundungsimpulse haben Anregungen dazu gegeben, wie der eigene Betrieb gemeinsam mit Auszubildenden daraufhin erkundet werden kann, wo er im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung steht. Nachhaltiges Handeln erschöpft sich jedoch nicht im Wissen über betriebliche Abläufe und Kennzahlen. Zunehmend wird es wichtig, Auszubildende auch darin zu unterstützen, das eigene berufliche Handeln – und das des Betriebs – als politisches Handeln zu verstehen.

      Denn dieses Handeln wirkt über den Betrieb hinaus: Es trägt zur Gestaltung von Gesellschaft bei. Politik bedeutet in diesem Verständnis nicht nur das Handeln von Regierungen oder Parteien. Sie ist ein gesellschaftlicher Aushandlungsprozess, in dem gemeinsam darüber entschieden wird, wie Zusammenleben, Arbeit und Wirtschaft demokratisch organisiert werden sollen.

      Vor diesem Hintergrund sollten Auszubildende lernen, betriebliche Entscheidungen zu reflektieren: Was wird im Betrieb getan? Welche ökologischen, sozialen oder wirtschaftlichen Auswirkungen hat das? Und welche unterschiedlichen Perspektiven gibt es dazu – im Team, im Betrieb oder entlang der Lieferkette? Nachhaltiges berufliches Handeln entsteht nicht automatisch, sondern muss ausgehandelt, begründet und gemeinsam gestaltet werden.

      Damit nachhaltige Entwicklung sozial gerecht umgesetzt werden kann, braucht es die aktive Beteiligung der Fachkräfte von morgen. Sie müssen lernen, mit unterschiedlichen Meinungen umzugehen, Argumente abzuwägen, Kompromisse zu finden – und sich bei Bedarf auch mit Kolleg:innen zu organisieren, um gemeinsam Veränderungen anzustoßen. Politische Bildung unterstützt genau diese Kompetenzen.

      Das bedeutet auch, grundlegende Fragen zu stellen: In welcher Gesellschaft leben wir? In welcher Gesellschaft wollen wir leben? Und welchen Beitrag kann verändertes berufliches Handeln dazu leisten? Diese Fragen lassen sich nicht eindeutig beantworten, sondern müssen offen diskutiert werden.

      Gleichzeitig gilt dabei eine klare Grenze: Diskriminierung, Ausgrenzung und Hass haben in solchen Aushandlungsprozessen keinen Platz. Auch das zu erkennen und zurückzuweisen, ist Teil politischer Bildung. Sie fördert die Fähigkeit, sich respektvoll, argumentativ und demokratisch mit anderen auseinanderzusetzen, um gemeinsame Lösungen zu entwickeln.

      In diesem Modul lernst du Methoden kennen, mit denen solche Reflexions- und Lernprozesse gemeinsam mit Auszubildenden gestaltet werden können. Ziel ist es, politische Bildung als Teil von BBNE praktisch umzusetzen und so einen Beitrag zu einer demokratischeren, nachhaltigeren Arbeitswelt zu leisten.

      Zu Beginn kannst du dafür zunächst deine eigene Rolle als Ausbildungspersonal reflektieren. So bekommst du einige Anregungen, darüber nachzudenken, wie du selbst dazu beiträgst oder verstärkt beitragen kannst, dass Auszubildende über nachhaltiges Berufshandeln nachdenken und auch in die Aushandlungen dazu gehen wollen und können. Das ist ausdrücklich kein Test, bei dem du möglichst gut abschneiden sollst, sondern eine Gelegenheit für dich, über deine Tätigkeit als Ausbildungspersonal nachzudenken.

    • In dieser kurzen Abfrage kannst du deine Rolle als Ausbildungspersonal reflektieren. Anschließend kannst du einige der Themen noch weiter vertiefen. Dieser Abschnitt dient nur der Selbsteinschätzung. Es gibt keine richtigen oder falschen Antworten. 

    • Dieser Blogeintrag vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der Hans Böckler Stftung eröffnet einen globalen Blick auf Fragen der Transformation. In der modernen globalisierten Wirtschaft und Gesellschaft sind Prozesse weltweit miteinander verbunden. Die Umstellung großer Bereiche der Produktion und der Gesellschaft im sogenannten globalen Norden der wirtschaftlich erfolgreichsten Länder hat deswegen auch immer Folgen für Menschen im globalen Süden und den weniger entwickelten Regionen. Teil der politischen Debatte um Transformationsprozesse muss deswegen die Frage nach diesen Auswirkungen sein und wie sie global gerecht gestaltet werden können. 

    • Anregender Input: Im folgenden Gespräch im "Arbeitswelt"-Podcast der DGB Region Stuttgart lernst du die Arbeit eines Betriebsrats kennen, der sich für mehr Klimaschutz engagiert hat.

       

       

  • Methoden der Reflexion

    • Methode: Peripatetisches Lernen

      Um Auszubildende zum Nachdenken über nachhaltige Entwicklung und ihre Rolle in der Transformation ihres Unternehmens anzuregen, bietet es sich an, klassische Lernräume zu verlassen. Im peripatetischen Lernen, dem Lernen im Gehen, können sie sich in ruhiger Umgebung frei austauschen. Neurowissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass die Bewegung dabei besonders förderlich für ein Denken ist, das über bekannte Muster hinausgeht. Für die politische BBNE kann das besonders nützlich sein, weil die Reflexion des Lernenden und das selbstbestimmte Suchen nach Lösungen für die Nachhaltigkeitstransformation hier als zentral gelten. Die Auszubildenden können so mit einer konkreten Frage in kleinen Gruppen über ihre Rolle in der Transformation nachdenken und durch die sichere Umgebung auch Sorgen und Unsicherheiten äußern oder ungewöhnliche Ansätze diskutieren. Das kann beispielsweise auch Fragen sozialer Gerechtigkeit betreffen, die im politischen Diskurs über Nachhaltigkeit in der Arbeitswelt häufig zu wenig Beachtung finden. Für betriebliche Ausbilder:innen bietet sich auf diesem Weg die Gelegenheit, die Perspektiven von Auszubildenden näher kennenzulernen und sie in die Umsetzung der Transformation und der gemeinsamen Gestaltung der Arbeitswelt stärker als selbstbewusste Akteure einzubeziehen.

    • Methode: Pro-Contra-Debatte

      Ein Schwerpunkt der politischen BBNE ist die Auseinandersetzung mit Interessenskonflikten und Meinungsverschiedenheiten. Der Streit ist wesentlicher Bestandteil einer demokratischen Kultur, wenn er mit sachlichen Argumenten und fair verläuft. Diese Kompetenzen sind in Zeiten von Umbrüchen und Transformationen besonders wichtig, aber sie müssen erlernt werden, damit Meinungsverschiedenheiten nicht eskalieren und sich verhärten oder gewaltsam ausgetragen werden. Die Pro-Contra-Debatte ist eine Methode, die Ausbilder:innen einsetzen können, um Auszubildende kontroverse Themen ausdiskutieren zu lassen. Die Auszubildenden müssen sich dafür mit einem Thema intensiv beschäftigen, sich als Team auf eine Strategie einigen und sich mit den Argumenten der Gegenseite auseinandersetzen. Für eine aktive nachhaltigkeitsorientierte Gestaltung der Arbeitswelt sind das wichtige Voraussetzungen, da diese immer auch mit Konflikten unterschiedlicher Positionen einhergeht. NiME geht von der Annahme der politischen BBNE aus, dass eine sozial gerechte Transformation nur gelingen kann, wenn sich Beschäftigte reflektiert eigene Urteile bilden und diese auch argumentativ vertreten können. Die Pro-Contra-Debatte eignet sich hierfür, weil sie einen Streit versachlicht und ihm eine Struktur gibt und es so auf die Argumente ankommt, um mit seiner Meinung Andere zu überzeugen. Die Auszubildenden formulieren nach einer Recherche zu einem kontroversen Thema Plädoyers und gehen anschließend auf die Argumente der Gegenseite ein. Nach einer Abstimmung darüber, welche Position überzeugender war, wird in der Gruppe reflektiert, wie die Auseinandersetzung die Meinungsbildung verändert oder angeregt hat.

      Artikel zur Vertiefung findest du hier:

      Übersicht über die Methode von der Bundeszentrale für politische Bildung: https://www.bpb.de/lernen/methoden/46892/5-pro-contra-debatte/
      Handreichung zur Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Berufsbildung, u.a. mit einer Einführung zur Pro-Contra-Debatte (Oxford-Debatte): https://www.phlu.ch/_Resources/Persistent/5/b/b/3/5bb3704bd2b21457bb5abd97ab5747a28062263f/BNE_Handreichung_ABU_def_20230301.pdf

    • Methode: Dilemma

  • Methoden der Gestaltung

    • Methode: Roadmap

      Die Transformation hin zu einem nachhaltigeren Unternehmen erfordert Beschäftigte, die eigene Ideen einbringen und diese auch umsetzen können. Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) läuft ansonsten Gefahr, Katastrophenszenarien zu vermitteln und die Auszubildenden mit einem Gefühl der Ohnmacht zurückzulassen. Daher ist der Anspruch von NiME, die politische BBNE auch mit einem Schwerpunkt zur Gestaltung der Transformation zu behandeln, sodass sie eigene Ideen entwickeln und in realistische Projekte überführen können. Diese Kompetenzen sind für die Arbeitswelt insgesamt wertvoll, da sie vorausschauendes und strukturiertes Denken sowie einen realistischen Einblick in die Strukturen des Unternehmens und die eigenen Möglichkeiten erfordern. Aus diesem Grund stellen wir hier die Methode der Roadmap vor. Sie ist ein Tool, mit dem kreative und innovative Ideen in einen „Fahrplan“ übertragen werden, der den Auszubildenden ermöglicht, ein Projekt so zu planen, dass es motiviert und vom Ziel her strukturiert wird. Eine Roadmap kann dabei den Projektverlauf begleiten und einem Team als Orientierung dienen, um den Prozess der Umsetzung mit dem entwickelten Plan abzugleichen. Für Ausbilder:innen ist die Methode deshalb auch ein wertvolles Mittel, die Auszubildenden zur Planung von Projekten zu motivieren und sie auch zum Bedenken von Spannungen und Hürden in der Umsetzung anzuregen. So können die Auszubildenden auf diesem Weg zu einer Auseinandersetzung mit der politischen Kultur des Unternehmens bewegt werden, weil sie ihre Möglichkeiten und Grenzen reflektieren und mögliche Interessens- oder Zielkonflikte erkennen.

      Artikel zur Vertiefung findest du hier: 

    • Methode: Konfliktanalyse

      Nachhaltigkeitsbildung in der betrieblichen Ausbildung wie auch die Transformation hin zu einem an Nachhaltigkeit orientierten Unternehmen verläuft nicht ohne Konflikte.  In der Nachhaltigkeitsbildung wurden Konflikte lange Zeit vernachlässigt. Politische Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung (Politische BBNE) blendet diese dagegen nicht aus.  Hier kommt der Auseinandersetzung mit politischen Konflikten eine zentrale Rolle zu, weil das Wesen der Demokratie der Konflikt ist und das stetige Aushandeln von Lösungen und Kompromissen erfordert. Konflikte sind also im Grundsatz nicht schlecht, sondern können dazu beitragen, den Prozess zur Bewältigung der nachhaltigen Transformation im Unternehmen zu befördern.

      Insbesondere viele weibliche Auszubildende haben negative Einstellungen zu Konflikten, weil Konflikte im privaten Lebensbereich negativ bewertet werden. Auszubildende müssen aber lernen, politische Konflikte auszuhalten und mit demokratischen Mitteln auszutragen.  Das Konzept der Konfliktorientierung unterstützt betriebliche Ausbilder:innen, die Fähigkeit der Auszubildenden zur Konfliktregulierung zu fördern, indem sie lernen, Konflikte zu analysieren, sich in die Position des Andersdenkenden hineinzuversetzen, diese zu beurteilen, sich zu positionieren, ihre Interessen zu vertreten und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

      Artikel zur Vertiefung findest du hier: 

      Hintergrund der Methode und exemplarische Anleitung zur Durchführung: https://www.sowi-online.de/praxis/methode/konfliktanalyse.html
      Artikel zu Hintergründen einer politischen BNE und der Rolle von Widersprüchen und Konflikten: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/politische-bildung-2022/515537/konzepte-politischer-nachhaltigkeitsbildung/
      Übersicht über die Rolle von Konflikten in der Ausbildung und mögliche Umgangsformen:
      https://leando.de/artikel/konflikte-der-ausbildung-erkennen-und-loesen
      Artikel über die Rolle von Konflikten in der globalen Nachhaltigkeitstransformation mit Blick auf Fragen der Klimagerechtigkeit:
      https://www.wsi.de/de/blog-17857-transformationskonflikte-und-globale-klimagerechtigkeit-71415.htm

  • Lernmaterialien

  • Prototypen